Heilpflanzen für Frauen: Begleiter durch jede Lebensphase
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Heilpflanzen für Frauen: Begleiter durch jede Lebensphase

Ihr Lieben, wisst ihr, was mich an uns Frauen immer wieder fasziniert? Wir leben in Rhythmen. Der Körper einer Frau bewegt sich in Wellen, in Zyklen, in Phasen — vom ersten Mädchenblut über die fruchtbaren Jahre bis hinein in die Wechseljahre und die weise Zeit danach. Und genau das ist für mich etwas zutiefst Natürliches und Schönes. Ja, manchmal ist es anstrengend, das will ich gar nicht schönreden. Aber es ist eben kein Defekt, der repariert werden müsste, es ist unsere weibliche Natur.

Und das Wunderbare ist: Für jede dieser Phasen hat die Pflanzenwelt eine Verbündete bereitstehen. Unsere Großmütter und Urgroßmütter wussten das ganz selbstverständlich, die hatten ihre Frauenkräuter im Garten und am Wegesrand. Dieses Wissen ist über die Jahrzehnte ein bisschen verloren gegangen, und das finde ich wirklich schade. Denn die moderne Pflanzenheilkunde — die Phytotherapie — bestätigt heute mit Studien, was die Frauen früher aus Erfahrung gewusst haben. Dementsprechend möchte ich euch heute ein paar dieser grünen Begleiterinnen vorstellen, so wie ich sie aus meiner Praxis und aus den Werken der großen Heilpflanzenkundlerinnen kenne.

Frauenmantel — die sanfte Ausgleicherin

Botanische Tafel des Frauenmantels (Alchemilla vulgaris), Thomé 1905
Der Frauenmantel sammelt morgens einen Tautropfen in der Blattmitte — kein Wunder, dass die alten Kräuterkundigen ihn für magisch hielten.

Wenn ich eine einzige Pflanze für die Frau nennen dürfte, dann wäre es der Frauenmantel. Schon der Name sagt ja alles. Die großen, gefalteten Blätter legen sich wie ein kleiner Umhang um den Morgentau, und in der Mitte sammelt sich so ein silbriger Tropfen — wirklich zauberhaft anzuschauen. Für mich ist der Frauenmantel die große Ausgleicherin. Er reguliert ganz sanft, egal ob bei einer jungen Frau, deren Zyklus noch durcheinander ist, oder bei einer Frau in den Wechseljahren.

Was steckt da drin? Der Frauenmantel enthält reichlich Gerbstoffe, bis zu acht Prozent, und die wirken zusammenziehend und blutungsregulierend. Dazu kommt etwas, das ich ganz spannend finde: Man sagt ihm eine gelbkörperähnliche, also gestagenartige Wirkung nach. Das heißt, er kann das hormonelle Gleichgewicht ein Stück weit unterstützen — bei prämenstruellen Beschwerden, dem berühmten PMS, genauso wie bei einer unregelmäßigen Blutung. Der berühmte Kräuterpfarrer Künzle hat ihn früher sogar Schwangeren und Wöchnerinnen ans Herz gelegt, so sanft ist diese Pflanze. In der Erfahrungsheilkunde trinkt man ihn über mehrere Zyklen hinweg, zwei bis drei Tassen am Tag. Geduld gehört dazu, das ist bei den Frauenkräutern fast immer so.

Karins einfacher Zyklustee

Mische Frauenmantelkraut und Schafgarbenkraut zu gleichen Teilen. Davon nimmst du einen Teelöffel pro Tasse, übergießt ihn mit heißem Wasser und lässt ihn bedeckt etwa sieben Minuten ziehen.

Zwei bis drei Tassen am Tag, am besten über mehrere Zyklen hinweg. Das ist meine schlichteste und gleichzeitig liebste Empfehlung für eine Frau, die ihren Zyklus sanft begleiten möchte.

Tipp: Wer mag, gibt einen Hauch Melisse dazu — die beruhigt die Nerven, wenn es vor den Tagen mal wieder ein bisschen dünnhäutig wird.

Schafgarbe und Gänsefingerkraut — wenn die Tage krampfen

Botanische Tafel der Schafgarbe (Achillea millefolium), Köhler 1887
Die Schafgarbe — krampflösend und blutungsregulierend zugleich. Deshalb steckt sie in fast jeder Frauenmischung.

Die Schafgarbe ist so eine richtige Frauenpflanze, die kennt man eigentlich schon seit der Antike. Ihr lateinischer Name Achillea verweist auf den Helden Achilles, der mit ihr Wunden geheilt haben soll. Für uns Frauen ist sie aus einem anderen Grund so wertvoll: Sie kann gleichzeitig krampflösend und blutungsregulierend wirken, und genau diese Kombination ist bei den Tagen Gold wert. Sie durchwärmt das kleine Becken regelrecht, und beim Erhitzen zeigt sich dieses wunderschöne tiefe Blau ihres Proazulens, das entzündungshemmend wirkt. Eine warme Schafgarbe als Sitzbad, dazu eine Wärmflasche auf dem Bauch — ja, das ist so ein Klassiker, der einfach guttut.

Und dann gibt es da noch eine Pflanze, die kennen die wenigsten, dabei ist sie bei Regelschmerzen mein heimlicher Star: das Gänsefingerkraut. Es wächst flach am Boden, die Blattunterseite schimmert silbrig-seidig. In der Pflanzenheilkunde gilt es als eines der zuverlässigsten Mittel gegen Menstruationskrämpfe überhaupt. Das Schöne daran ist die kleine Strategie dahinter: Du wartest gar nicht erst, bis der Schmerz da ist. Du fängst schon ungefähr fünf Tage vor der erwarteten Blutung an, dann muss sich die Gebärmutter erst gar nicht so verkrampfen. Diesen vorbeugenden Gedanken finde ich wirklich klug.

Krampflösender Bauchtee

Mische 30 g Schafgarbenblüten, 30 g Gänsefingerkraut, 30 g Kamillenblüten und 10 g angestoßene Fenchelfrüchte.

Einen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser übergießen, bedeckt sieben Minuten ziehen lassen. Über den Tag drei bis fünf Tassen trinken — und am besten schon etwa fünf Tage vor den erwarteten Tagen damit beginnen, nicht erst, wenn es zwickt.

Mönchspfeffer — die Pflanze für die Balance

Botanische Tafel des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus), 1864
Mönchspfeffer, auch Keuschlamm genannt — seine kleinen Früchte sind das eigentliche Frauenmittel.

Beim Mönchspfeffer, den manche auch Keuschlamm nennen, müssen wir kurz über Hormone reden, ja. Das ist nämlich die Pflanze, die in der modernen Frauenheilkunde mit am besten untersucht ist, wenn es um das prämenstruelle Syndrom geht. Man nutzt dafür die kleinen, pfefferkornähnlichen Früchte. Sie wirken auf einen Botenstoff namens Prolaktin und können ihn ein wenig senken — und ein zu hoher Prolaktinspiegel steckt oft hinter Zyklusstörungen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen. Dadurch hilft der Mönchspfeffer dem Körper, sein Gleichgewicht wiederzufinden.

Was ich euch ehrlich sagen muss: Den Mönchspfeffer trinkt man nicht als Tee, der wird als fertiges Präparat aus der Apotheke eingenommen, weil die Dosierung darauf ankommt. Und auch hier gilt wieder: Geduld. Die Pflanze braucht ihre Zeit, man rechnet mit mindestens drei Monaten, bis sich etwas einpendelt. Aber dafür ist sie ausgesprochen gut verträglich. Den Namen Keuschlamm hat sie übrigens aus den Klöstern, wo man ihr nachsagte, sie dämpfe die Begierde — die Mönche haben sie sich aufs Brot gestreut. Die Pflanzennamen erzählen halt immer auch ein Stück Geschichte.

Wichtig — bitte gut aufpassen, besonders in der Schwangerschaft

Gerade bei den Frauenkräutern gibt es ein paar Dinge, die wirklich ernst zu nehmen sind. Pflanzen, die die Blutung anregen — zum Beispiel Beifuß, Wermut oder Rosmarin in Heildosis — können wehenfördernd wirken und gehören deshalb auf keinen Fall in die Schwangerschaft. Mönchspfeffer ist in Schwangerschaft und Stillzeit ebenfalls tabu und passt auch nicht mit bestimmten Medikamenten zusammen.

Salbei nimmt man innerlich nur maßvoll und nicht über lange Zeit, und in der Schwangerschaft besser gar nicht in starker Form. Wer gegen Korbblütler allergisch ist, sollte mit Schafgarbe und Kamille vorsichtig sein. Und alles, was hormonell wirkt, gehört bei einer früheren oder bestehenden hormonabhängigen Erkrankung in ärztliche Begleitung.

Und ganz grundsätzlich: Bei sehr starken, lang anhaltenden oder plötzlich veränderten Blutungen oder bei unerfülltem Kinderwunsch gehe bitte zur Ärztin oder zum Arzt. Kräuter sind wunderbare Begleiter, eine Diagnose ersetzen sie nicht.

Die Wechseljahre — ein neuer Anfang

Botanische Tafel der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), Millspaugh 1887
Die Traubensilberkerze mit ihren weißen Blütenkerzen — verwendet wird der kräftige Wurzelstock, eine der besterforschten Pflanzen für die Wechseljahre.

Über die Wechseljahre wird ja oft so geredet, als wäre das eine Krankheit. Das sehe ich ganz anders. Für mich ist das eine Schwellenzeit, ein Übergang in eine neue, oft sehr kraftvolle Lebensphase. Dass der Körper dabei mal aus dem Takt gerät, mit Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Schlafproblemen, das ist verständlich. Und auch hier hat die Natur ihre Begleiterinnen.

Die wichtigste ist für mich die Traubensilberkerze, eine hohe Waldstaude aus Nordamerika, wo die indigenen Völker sie schon lange als Frauenpflanze genutzt haben. Ihre weißen Blütenkerzen sind wirklich ein Anblick. Man verwendet den Wurzelstock, und sie gilt als eine der besterforschten Pflanzen bei Wechseljahresbeschwerden überhaupt. Sie wirkt ein bisschen wie ein sanfter Schlüssel an den Östrogenandockstellen des Körpers und kann so Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen mildern. Man nimmt sie als Präparat, sie braucht etwa zwei Wochen, bis sie greift, und man gönnt ihr nach einigen Monaten eine Pause.

Botanische Tafel des Salbeis (Salvia officinalis), Köhler 1887
Salbei — sein Name kommt vom lateinischen „salvare“, heilen. Gegen Schweißausbrüche ist er mein erster Griff.

Und dann der gute alte Salbei. Den hat fast jede im Garten stehen, und er kann etwas, das in den Wechseljahren so wertvoll ist: Er hemmt das Schwitzen. Bei Hitzewallungen und Nachtschweiß ist er mein erster Griff. Ein kleiner Hinweis aus der Praxis: Für diesen Zweck trinkt man den Salbeitee am besten lauwarm bis kühl, dann wirkt er besser gegen den Schweiß. Weil Salbei kräftige ätherische Öle enthält, nimmt man ihn innerlich maßvoll und nicht wochenlang am Stück. Übrigens hemmt er auch die Milchbildung — deshalb ist er das klassische Kraut zum Abstillen, was Stillende wissen sollten.

Salbei-Walnuss-Tee gegen Schweißausbrüche

Mische Salbeiblätter und Walnussblätter zu gleichen Teilen. Einen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser übergießen und bedeckt etwa zehn Minuten ziehen lassen.

Lauwarm oder ausgekühlt über den Tag verteilt trinken. Über ein paar Wochen, dann eine Pause einlegen.

„Eine Frau, die ihre Pflanzen kennt, ist nie ganz allein mit ihrem Körper. Sie hat für jede Phase eine grüne Freundin an ihrer Seite. Und genau das ist Selbstbestimmung.“

Karins Frauen-Oxymel — Sauerhonig für deine Hausapotheke

Selbstgemachtes Frauen-Oxymel im Glas mit Honig, Apfelessig und Kräutern
Ein Oxymel — Honig und Apfelessig ziehen die Kraft der Kräuter heraus. Wunderschön anzusehen und ewig haltbar.

Zum Schluss möchte ich euch noch etwas zeigen, das ich wirklich liebe und das jede von euch zu Hause hinbekommt: ein Oxymel. Das ist ein uraltes Hausmittel, ein sogenannter Sauerhonig — Honig und Essig, in denen Kräuter ihre Kraft entfalten. Schon die alten Griechen kannten das. Honig und Apfelessig sind beide für sich kleine Schätze, und zusammen ziehen sie die Wirkstoffe der Pflanzen ganz wunderbar heraus, ohne Alkohol. Ein Oxymel ist mild, lecker und hält sich monatelang. Und das Schönste: Es sieht in einem hübschen Glas einfach zauberhaft aus.

Frauen-Oxymel zum Selbermachen

Du brauchst für ein etwa 300 ml fassendes Glas: 180 g guten, möglichst rohen Honig und 60 ml naturtrüben Apfelessig — das sind ungefähr drei Teile Honig auf einen Teil Essig, was die herben Frauenkräuter schön ausbalanciert. Dazu zwei Esslöffel getrockneten Frauenmantel, einen Esslöffel getrocknete Schafgarbe und zwei Esslöffel getrocknete Melisse für die Nerven. Die getrockneten Kräuter füllen das Glas etwa zu einem Viertel.

So geht es: Gib Honig und Essig in ein sauberes, ausgekochtes Glas und rühre, bis der Honig sich gelöst hat. Dann die Kräuter unterrühren, bis sie ganz von der Flüssigkeit bedeckt sind — das ist wichtig, denn was herausschaut, kann schimmeln. Verschließe das Glas mit einem Plastikdeckel, oder leg ein Stück Backpapier unter den Metalldeckel, denn Essig greift Metall an. Stell es für etwa drei Wochen an einen kühlen, dunklen Ort und schüttle es alle ein, zwei Tage einmal kurz — so ein kleines Ritual, das ich sehr mag. Danach siebst du die Kräuter ab, drückst sie gut aus und füllst den Sauerhonig in eine saubere, dunkle Flasche.

Davon nimmst du bei Bedarf ein bis zwei Esslöffel, pur oder in einem Glas lauwarmem Wasser oder Tee verrührt. Kühl und dunkel gelagert hält dein Oxymel aus getrockneten Kräutern bis zu einem Jahr.

Du kannst auch frische statt getrockneter Kräuter nehmen. Dann lass sie vorher etwas anwelken, füll das Glas halb bis dreiviertel mit den Pflanzen, nimm Honig und Essig eher zu gleichen Teilen und bewahr das fertige Oxymel im Kühlschrank auf — so hält es etwa drei bis sechs Monate.

Kleiner Hinweis: Roher Honig ist nichts für Babys unter einem Jahr. Und in Schwangerschaft und Stillzeit lass die hormonell wirksamen Kräuter wie Schafgarbe und Frauenmantel lieber weg oder sprich vorher mit deiner Heilpraktikerin.

So ein Oxymel ist für mich das schönste Beispiel dafür, worum es mir geht: dass wir ein Stück Selbstfürsorge wieder in die eigenen Hände nehmen. Du rührst dir deine eigene kleine Medizin, du weißt genau, was drin ist, und du spürst, wie viel Freude in so einem handgemachten Glas steckt.

Ihr Lieben, ich hoffe, ich konnte euch zeigen, wie reich die Pflanzenwelt für uns Frauen gedeckt ist — von der ersten Blutung bis weit über die Wechseljahre hinaus. Wir müssen das nicht alles allein und still mit uns ausmachen. Es gibt für jede Phase eine grüne Begleiterin, wir müssen sie nur kennenlernen und mit Respekt nutzen. Geht achtsam mit euch um, hört auf euren Körper, und gönnt euch hin und wieder eine Tasse Tee, die nur für euch ist.

Einen wunderschönen und selbstbestimmten Tag,

Alles Liebe, eure Karin

Hinweis: Die hier beschriebenen Pflanzen und Anwendungen stammen aus der überlieferten Erfahrungsheilkunde und der Phytotherapie und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestehenden Erkrankungen wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder einen erfahrenen Heilpraktiker.

Botanische Illustrationen: Wikimedia Commons (gemeinfrei) — Köhler’s Medizinal-Pflanzen (1887), O. W. Thomé „Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (1905), C. F. Millspaugh „American Medicinal Plants“ (1887) und „Álbum de la flora médico-farmacéutica“ (1864).

Karin Baneth

Karin Baneth

Kräuterpädagogin & Phytotherapeutin

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